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"Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust." 

5. Mose 30,14

 
Liebe Gemeindeglieder,


Ute Waffenschmidt-Lengdie Weisungen, die Gott den Menschen des Volkes Israel gab, mitten in der Wüste, nachdem er sie befreit hatte aus der Sklaverei in Ägypten, sie waren und sind gedacht, die Freiheit und das gute Leben zu erhalten für alle; sie stärken und schützen das Zusammenleben und sorgen dafür, dass niemand benachteiligt wird, dass ein gutes Miteinander aller gelingen kann – und dass es einen gesunden Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe gibt – für alle!  Die Weisungen Gottes – sie waren und sind dazu gedacht, die Freiheit zu erhalten, das gute Leben für alle!

Das kann in Vergessenheit geraten. So war es offenbar schon damals, als das Volk Israel nach langer nomadischer ‚Wanderung’ durch die Wüste endlich in dem Land ankam, das Gott verheißen hatte. Gott lässt die Menschen durch den alten Mose daran erinnern, dass die Weisungen Gottes die Menschen getragen haben, dass sie die notwendige und heilsame Orientierung waren auf dem Weg in das Land der Sehnsucht und dass sie das gute Leben für alle gesichert haben auf diesem Weg.
Wie hilfreich und heilsam diese Weisungen Gottes sind, das kann in Vergessenheit geraten. Es kann sein, dass sie als einengende Vorschriften verstanden und gelesen werden und der ursprüngliche Gedanke der Befreiung keine Rolle mehr spielt. Es kann sein, dass gesagt wird: diese Weisungen sind viel zu abständig, sie passen nicht in die Welt, wie sie ist, in die Welt mit ihren neoliberalen Anforderungen und Gesetzmäßigkeiten und globalen Zusammenhängen und Herausforderungen… 

Solchen Gedanken begegnet Gott durch Moses Worte: Erinnert Euch! Euer aller Freiheit soll erhalten bleiben! Ich habe Euch aus der Sklaverei befreit! Ihr sollt niemals wieder irgendwelchen Mächtigen, irgendwelchen Göttern und Götzen untertan sein! Und niemand soll euch je wieder verskalven!

Wir kennen die Götter und Götzen unserer Zeit! Und wir wissen, wie sehr sie uns im Griff haben: unser Denken, unser Fühlen, unser Tun und Leben. Wir sind in vielen Teilen Versklavte und erleben das auch so:  versklavt in den vermeintlichen Notwendigkeiten, die uns profitorientierte Unternehmen, kompetenzorientierte Lehr- und Studienpläne, effizienzorientierte Gesellschafts- und Kirchenplaner einreden.   Und wir spüren, dass in dieser Versklavung nur wenige gut leben können und viele, viele unsäglich leiden – schon die Kinder!

Gott lässt die Menschen erinnern an die Weisungen, die Freiheit bringen und das gute Leben für alle! Und er lässt sagen: „Das Gebot ist nicht zu schwer verständlich für dich und nicht abwegig. Es ist nicht im Himmel… es ist nicht jenseits des Meeres… Nein, dieses Wort ist dir sehr nahe. Es ist in deinem Mund, in deinem Herzen und in deinem Verstand, so dass du dich danach richten kannst.“ (Übersetzung der ‚Bibel in Gerechter Sprache’)

Das klingt, als hätten wir die heilsamen Weisungen Gottes in uns, als hätten wir ein Gespür dafür, dass das, was die Götzen uns einreden, nicht dem Leben dient, sondern nur ihren Interessen, ihrer Gier nach Geld oder Macht?!  Als hätten wir eine genaue Ahnung, was tatsächlich das gute Leben für alle schafft.

„Dieses Wort ist dir sehr nahe. Es ist in deinem Mund, in deinem Herzen und in deinem Verstand…“ Vielleicht merken Sie – es stimmt: die ganze Sehnsucht, die in uns ist, nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Liebe und Barmherzigkeit, nach Berührung und Würde, nach Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit… die ganze Sehnsucht ist ein Zeichen dafür! Wir spüren und wissen sehr genau, was dem Leben dient und was nicht! Und könnten uns danach richten! Und würden frei, wenn wir es täten! Und es würde gutes Leben für alle bringen, wenn wir es täten! Tun wir es doch!

Ich wünsche Ihnen gute Zeit in dieser Freiheit und in gutem Leben!

 

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng