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"Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, damit ihr prüfen könnt, worauf es wirklich ankommt."

Philipper 1,9

 
Liebe Gemeindeglieder,


Ute Waffenschmidt-LengPaulus schreibt an die Gemeinde in Philippi. Er selbst sitzt, als er den Brief schreibt, im Gefängnis –  denkt an die Menschen seiner Gemeinde… In Situationen, in denen man auf sich selbst geworfen ist und nicht weiß, was werden wird, wird eine Frage ganz wichtig: worauf kommt es eigentlich wirklich an?  

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und Erfahrung…“ Auf die Liebe kommt es an, weiß Paulus. Dass die Liebe die Grundlage von Erkenntnis ist, weiß er, und dass es das Wichtigste ist, die Liebe zu leben, weiß er.

Was ist heute in unseren Zeiten Grundlage von ‚Erkenntnis’? Ich habe den Eindruck, dass die Gier alle Bereiche unserer ‚Erkenntnis’ beeinflusst und bestimmt. In manchen Bereichen ist das ganz offensichtlich, in anderen geschieht das sehr subtil, kaum merklich, kaum zu durchschauen. Wie die ‚Grauen Herren’ in Michael Endes Buch ‚Momo’  durchdringt die Gier alle gesellschaftlichen Bereiche. Die Menschen merken es an ihrer Vereinzelung. Es wird als Ideal gewertet, in erster Linie für sich selbst zu sorgen… Kinder in der Schule werden zu Einzelleistungen statt zu gemeinschaftlichem Lernen aufgefordert…  das Ziel: möglichst viele Creditpoints… Gier nach Geld oder Macht beeinflusst weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens  -  was dabei heraus kommt, ist sehr anders als das, was Paulus als Wichtigstes für das Zusammenleben ansieht.

In Situationen, in denen Zeit ist, nachzudenken, in denen man Abstand hat, in Situationen, in denen es existenziell wird…, wird eine Frage wichtig:  worauf kommt es eigentlich an?   

Die Zeit im Urlaub kann solche Zeit des heilsamen Abstandes sein:  wir kommen endlich mal raus aus den Tretmühlen des Alltags… was entdecken wir im Abstand? Vielleicht, was wir eigentlich wichtig finden und gern leben würden…? Und vielleicht, dass sich dass elementar unterscheidet von dem, was wir im Alltag leben (müssen)?

Wir brauchen Zeiten des Abstandes, um zu erkennen, worauf es wirklich ankommt! Paulus erkennt, dass es die Liebe ist, auf die es ankommt. Die Liebe zu leben, das ist das Wichtigste in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft. –

Um die Liebe zu leben, braucht es Zeit und andere Prioritäten, als die, die in unserer Welt derzeit gesetzt werden: In der Welt, in der alles und alle nur noch ‚verzweckt’ werden, gilt es, endlich wieder den Wert und die Würde jedes einzelnen Menschen zu sehen - unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit. In der Welt, in der Pegida pöbelt, gilt es, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu leben und Menschen das zukommen zu lassen, worauf sie ein Recht haben: ein Leben in Frieden und Ruhe und Würde. In der Welt, in der die Menschen bewusst vereinzelt werden, gilt es, deutlich und erfahrbar zu machen, dass Gott uns füreinander geschaffen hat. In der Welt, in der mittlerweile fast alle gesellschaftlichen Bereiche zum Profitmachen genutzt werden, gilt es die Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit zu entlarven. …

Im Abstand und in der Ungewissheit seiner persönlichen Situation wird  Paulus deutlich, was wirklich wichtig ist: „Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und Erfahrung, damit ihr prüfen könnt, worauf es wirklich ankommt!“

Vielleicht gelingt es auch Ihnen in der Zeit, in der Sie Abstand bekommen von dem, was Sie täglich umtreibt und gefangen hält, zu entdecken, worauf es wirklich ankommt… und es dann auch festzuhalten und zu leben – auch über den Urlaub hinaus… 

In diesem Sinne gute und gesegnete Ferienzeit!   

 

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng