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"Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens." 

Lukas 1,78+79

 
Liebe Gemeindeglieder,


Ute Waffenschmidt-LengZacharias, der alte Mann, stimmt einen Lobgesang an. Gerade hat er mit seiner Frau den gemeinsamen Sohn in den Tempel gebracht zur Beschneidung. Lange, lange Jahre hatten sie sich nach einem Kind gesehnt – vergeblich. Vergeblich gebetet, vergeblich gehofft… und dann, nach so vielen Jahren vergeblichen Hoffens, doch das Kind.

Nun sind sie im Tempel, und Zacharias, dem es, als er eine Stimme hörte, die die Geburt ankündigte, die Sprache verschlagen hatte vor Glück und Nicht-Fassen-Können, kann endlich wieder reden. Und seine ersten Worte sind ein Lobgesang. Wie könnte es anders sein?! Wenn man so etwas erlebt hat, dann geht einem das Herz über vor Glück und vor Dankbarkeit. Und dieses persönliche Glück, das Wunder, das Zacharias und Elisabeth gerade erlebt haben und erleben, schenkt Hoffnung, die über das Persönliche hinaus geht, Hoffnung für alle, die im Finstern sitzen und die Schatten des Todes erleben.

So viele sind es:  Menschen, die gefangen sind in düsteren Gedanken, die gar nichts Schönes und Helles mehr sehen können… Menschen, die sich große Sorgen machen um die Welt, um die Zukunft unserer Kinder, um die, die in Kriegen dieser Welt sterben und bedroht sind… Menschen, denen die Angst die Kehle zuschnürt… Menschen, die ihre Hoffnung verloren haben… so viele sind es, die im Finstern sitzen und im Schatten des Todes…

Aber Zacharias hat wieder Hoffnung – für sie alle. So ist das:  wenn man es selbst erlebt, dass nach langer Zeit der Dunkelheit neues Leben kommt, dann lebt auch die Hoffnung wieder auf: es wird andere Verhältnisse geben, Verhältnisse, in denen alle Menschen, alle Geschöpfe wieder gut leben können, Verhältnisse, in denen nicht die Gier, sondern die Barmherzigkeit und die Liebe regieren. Die Bibel nennt diese Verhältnisse ‚Reich Gottes’ – und das Reich Gottes, sagt Jesus, ist mitten unter uns – das Reich Gottes ist genau da, wo die Barmherzigkeit gelebt wird, und Gerechtigkeit und wo die Füße auf den Weg des Friedens gerichtet werden.

Es ist nicht leicht, in unseren Zeiten Hoffnung zu bewahren oder sie wieder zu finden. Es ist nicht leicht, immer wieder Energie aufzubringen, um für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit einzutreten in all den Bezügen, in denen wir leben. Es ist nicht leicht, immer wieder mit Kraft den scheinbaren Notwendigkeiten und Alternativlosigkeiten, die oft mit viel Gnadenlosigkeit daher kommen, andere Möglichkeiten des Lebens und Gestaltens entgegen zu halten.  Es ist nicht leicht, Hoffnung zu bewahren, sie scheint viel zu verwegen zu sein in unseren Zeiten, als dass sie real werden könnte.

Aber Menschen wie Zacharias und Elisabeth erzählen ihre Geschichten – und es sind Geschichten von verwegener Hoffnung, Geschichten von ersehntem Leben, das erst nach ganz langem Warten und vielen Enttäuschungen kam… 

Ob uns diese Geschichten den Kopf hochheben können? Ob sie die Kraft haben, hinein zu leuchten in die Finsternisse, in denen wir manchmal sitzen? Ob sie die Kraft haben, uns und vielen anderen Ausdauer zu schenken, die sich einsetzen für eine andere Welt, die möglich ist!?

Ich wünsche es Ihnen, uns, und all denen, die ihre Kraft einsetzen für die, die im Finstern sitzen.

Eine gute und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Übergang ins Neue Jahr wünsche ich Ihnen.. 

 

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng