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Informationen rund um die Martinikirche

 

Öffnungszeiten

In den Sommermonaten (Mai bis einschließlich September) ist die Martinikirche dienstags, mittwochs und donnerstags von 15:00 bis 18:00 Uhr und nach den sonntäglichen Gottesdiensten etwa bis 12:30 Uhr geöffnet. Der Gottesdienst beginnt um 10:30 Uhr. In den Wintermonaten ist die Kirche nach den Gottesdiensten geöffnet. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Besichtigungen können nach Absprache mit der Küsterin (0271/30381409) oder dem Pfarrhaus (0271/331265) ermöglicht werden.

Wegbeschreibung zur Martinikirche

Die Martinikirche ist von drei Seiten zugänglich: ber die Grabenstraße (Stadtkrankenhaus), über den Fußweg vom Kölner Tor zum Unteren Schloss und über den Hof des Unteren Schlosses durch den Durchgang neben der "Fürstengruft". Wenn Sie im Parkhaus Karstadt / Unteres Schloss / Museum für Gegenwartskunst parken, erreichen Sie den Hof des Unteren Schlosses direkt über den Aufzug bzw. Ausgang.
Parkmöglichkeiten stehen im Parkhaus Karstadt/ Unteres Schloss / Museum für Gegenwartskunst, in unmittelbarer Nähe der Kirche, auf dem Hof des Unteren Schlosses, in der Grabenstraße, am Stadtkrankenhaus, im Parkhaus Morleystraße und auf dem Parkareal Siegplatte zur Verfügung.

Zur Geschichte der Martinikirche

Die Martinikirche ist die älteste Siegener Kirche. Man wird nach heutigem Kenntnisstand von einer rund tausendjährigen Geschichte ausgehen müssen. Dabei fehlen schriftliche Nachrichten aus der frühen Zeit vollständig. Um so beredter sprechen archäologische Befunde. Die Gelegenheit, die Geschichte der Martinikirche zu erschließen, ergab sich im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau nach den starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg. Pastor Walter Thiemann hat dabei "seine" Kirche gründlich erforscht und überraschende, ja sensationelle Ergebnisse zu Tage gefördert. Das gilt vor allem für den großartigen Plattenboden, der 92 cm unter dem heutigen Fußboden im nördlichen Seitenschiff liegt, der allerdings erst bei Grabungen in den Jahren 1959/60 gefunden wurde. Er besteht aus schwarzen und roten Fliesen in unterschiedlichen geometrischen Formen, die in regelmäßigen Mustern verlegt sind. Hauptteil ist eine große Rosette aus fünf Ringen mit einem Kreuz in der Mitte. Der Boden hat eine vom Kirchengebäude abweichende Ausrichtung. Für diesen Plattenboden gilt: Er ist älter als der früheste Bau einer Kirche, auf deren Grundriss die heutige Kirche steht. Er wurde, wie Gebrauchsspuren zeigen, längere Zeit begangen. Das zu ihm gehörende Gebäude wurde also längere Zeit benutzt. Die Ornamentik (Sonnenkreis und Kreuz) deutet auf einen sakralen Raum hin. Man denkt an eine Burgkapelle, und das ist plausibel wegen der christlichen Symbolik, einer Kreuzlegung in der Mitte des Fußbodenmosaiks.

Der Bergsporn, auf dem die Martinikirche steht, und der vom Siegberg ausgehend in den Winkel zwischen Weiß und Sieg vorspringt, ist ein geradezu idealer Standort für eine Wehranlage zur Sicherung der Furt durch die Sieg, die wahrscheinlich unterhalb der heutigen Siegbrücke gelegen hat. In karolingischer Zeit könnte es erforderlich gewesen sein, nicht nur diese Furt an einem Weg vom Kölner zum Fuldaer Raum zu sichern, sondern auch eine Verteidigung gegenüber den feindlichen Sachsen aufzubauen. Das Siegerland war damals Grenzmark gegenüber den nördlich der heutigen Kreisgrenze, dem "köllschen  Heck", siedelnden Sachsen. Eine fränkische Burg oder ein befestigter Hof auf dem Bergsporn sind also gut vorstellbar. Der Plattenbelag wäre wegen seines sakralen Charakters als Fußboden einer Burgkapelle zu deuten.

Im 11. Jahrhundert wurde die erste Martinikirche errichtet. Ein Bauwerk das weitaus großartiger gewesen sein muss als die heutige Kirche, die auf dem Grundriss dieser ersten Kirche steht. Auch einzelne Bauteile des frühen Kirchenbaues sind noch Bestandteil der heutigen Kirche. Es handelt sich, wie H. Thümmler rekonstruiert hat, um eine fünftürmige, romanische Basilika. Das mächtige Westwerk bestand aus einem quadratischen Mittelturm und zwei seitlichen, runden Treppentürmen, von denen der nördliche noch heute erhalten ist. Der hohe Chor wurde von zwei quadratischen Türmen flankiert und schloss mit einer halbrunden Apsis ab. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass dieser aufwendige Kirchenbau von der damaligen Gemeinde Siegen errichtet worden sein soll. In einer Schenkungsurkunde aus der Amtszeit des Erzbischofs Siegewin von Köln (1079–1089) wird Siegen (Segena) in einem Atemzug mit Ortschaften wie Klafeld (Clahuelde), Holdinghausen (Haldenghusen) u. a. genannt. Siegen scheint zwar, wie W. Güthling meint, nach der Stellung des Namens im Text hervorgehoben, es war offenbar aber eine Landgemeinde wie die anderen auch. Die damalige Martinikirche überragte diese bescheidene Ansiedlung und war mit ihrer Wehrhaftigkeit vielleicht oft genug Zufluchtsstätte der Bewohner. Aber wer war ihr Erbauer? Ähnliche Kirchen wurden in dieser Zeit von vermögenden Stiftern im Zusammenhang mit Klostergründungen errichtet. Könnte dies auch für die erste Martinikirche gelten? Über eine solche Gründung ist allerdings nichts überliefert.

Diese großartige, romanische Kirche wurde möglicherweise zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit großer Gewalt zerstört. Die Türme fielen bis auf den heute noch erhaltenen nördlichen Treppenturm der Zerstörung zum Opfer oder wurden später abgetragen. Auch das Kirchenschiff war wahrscheinlich zu einem erheblichen Teil von den Zerstörungen betroffen.

Ursache für die Zerstörung könnte eine Brandkatastrophe gewesen sein. Viele Kirchen sind im Laufe ihrer Geschichte zum Teil sogar mehrmals durch Brand zerstört worden. Auch kriegerische Auseinandersetzungen könnten eine Rolle gespielt haben. Streit gab es zwischen den Nassauer Grafen und den Kolbe von Wilnsdorf. Diese wiederum waren Burgmannen der Grafen von Sayn, und zwischen den Saynern und den Nassauern bestand Fehde. Zudem dehnte der Erzbischof von Köln seinen Einfluss im Siegener Raum aus. Gewalttätige, religiöse Auseinandersetzungen kamen hinzu. Die Kolbe von Wilnsdorf wurden von Konrad von Marburg, dem ersten Inquisitor in Deutschland, der Ketzerei bezichtigt. Ihre Burg in Wilnsdorf wird auf Konrads Veranlassung zerstört. Als sich der Inquisitor mit den Sayner Grafen anlegt, wird er ermordet. In all diesen Wirren während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Siegener Raum und der näheren Umgebung könnte auch die Martinikirche zu Schaden gekommen sein. (...)

Von den Kriegsgräueln des Dreißigjährigen Krieges blieben das Siegerland und die Stadt Siegen zwar weitgehend verschont, nicht aber von konfessionellen Wirren. Der erbberechtigte Sohn von Graf Johann dem Mittleren – der spätere Graf Johann der Jüngere – war zum katholischen Glauben übergetreten. Die übrigen Kinder von Johann dem Mittleren – darunter der spätere Fürst Johann Moritz – blieben dem reformierten Bekenntnis treu. Damit war das Grafenhaus von Nassau-Siegen konfessionell gespalten. Während des Krieges gewann mal die katholische Seite, dann wieder die evangelische die Überhand. Entsprechend fand in der Martinikirche mal katholischer, dann wieder evangelischer Gottesdienst statt. Einige Zeit nach dem Westfälischen Frieden kam es schließlich zu einer dauerhaften Regelung. Im Fürstentum Nassau-Siegen bestand von da an ein reformierter und ein katholischer Landesteil – noch heute wird das Netpherland "Gehaland" (Johann-Land) genannt. Für die Stadt Siegen ergab sich eine Doppelherrschaft mit einer katholischen Fürstenfamilie, die im Oberen Schloss residierte, und einer reformierten, die im ehemaligen Franziskanerkloster, jetzt Nassauischer Hof genannt, ihre Wohnung nahm. Die Martinikirche ist von da an ausschließlich evangelische Kirche.

Dem großen Brand von 1695 fielen Zweidrittel der Stadt und auch der Nassauische Hof zum Opfer. An seiner Stelle entstand das heutige Untere Schloss. Die Martinikirche wurde noch mehr als zuvor vom Zentrum der Stadt abgetrennt und der Kirchhof auf kleinsten Raum zusammengedrängt. Die Martinikirche verlor immer mehr an Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurde sie nur noch als Toten- oder Beerdigungskirche bezeichnet. Auch der bauliche Zustand muss sich immer mehr verschlechtert haben. Zur Zeit der napoleonischen Kriege wurde sie von österreichischen Truppen, die sich im Zuge der napoleonischen Kriege in Siegen aufhielten, als Lazarett und Magazin genutzt. Es wurde schließlich ernsthaft erwogen, die Martinikirche wegen Baufälligkeit abzureißen.

Dass Siegens ältestes Bauwerk nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel, ist dem Einsatz und dem Opfersinn eines Bürgers der Stadt zu verdanken. Der Kaufmann Johann Philipp Schuß vermachte 1807 der reformierten Gemeinde 6000 Taler zur Wiederherstellung der Martinikirche, an der nach Berichten mit Ausnahme des Mauerwerks alles zerstört und verfallen war. Den Baubeginn im Jahre 1833 hat der großherzige Spender nicht mehr erlebt. Die Wiedereinweihung der Kirche erfolgte am 17. Juni 1838. Von da an war sie wieder beherrschendes Bauwerk über der inzwischen wiederentstandenen Unterstadt, so wie sie sich auf dem Bild von Jakob Scheiner darstellt. (...)

In den Jahren 1911/12 stehen wieder Baumaßnahmen und Renovierungen in größerem Ausmaß an. Der Außenputz wird entfernt, das Bruchsteinmauerwerk gereinigt und verfugt. Im nördlichen Seitenschiff wird eine Empore eingebaut, und das Kircheninnere erhält eine Ausmalung. Bei den Schachtarbeiten für den Einbau einer Dampfheizung stößt man auf eine größere Anzahl von Skeletten, sie sollen teilweise zu viert übereinander gelegen haben. Bestattungen in Kirchen waren in früheren Zeiten ganz selbstverständlich. Sie wurden in den Nassauischen Landen erst 1776 untersagt. Man entschloss sich auf weitere Grabungen zu verzichten und Umbettungen nicht vorzunehmen. Der ganze Kirchboden wurde mit einer Betondecke verschlossen. (...)

Während des Zweiten Weltkrieges bleibt Siegen lange Zeit von den Bombenangriffen der Alliierten verschont. Die Katastrophe kommt am 16. Dezember 1944. Die Altstadt von Siegen und mit ihr die Kirchen versinken in Schutt und Asche. Von der Martinikirche stehen nur noch die Mauern. Es entbehrt nicht eines makabren Aspektes, aber erst diese Kriegszerstörungen schaffen die Möglichkeit, Spuren zu finden und ihnen nachzugehen, und so die frühe Geschichte der Martinikirche zu erschließen.

Aus heutiger Sicht ist schon nach erstaunlich kurzer Zeit der Wiederaufbau vollendet. Die Wiedereinweihung kann am 31. Oktober 1949 erfolgen. Im Äußeren ist die Kirche wieder so erstanden, wie sie vor der Zerstörung aussah. Im Inneren sind Veränderungen eingetreten, so haben das Hauptschiff und die beiden Seitenschiffe flache Decken erhalten.
1990/91 steht die Renovierung des Innenraumes an, die zu einer Neugestaltung genutzt wird. Im gleichen Zuge wird der Kirchhof neu gestaltet. Renovierung des Kirchenraumes und Gestaltung des Kirchhofes zielen darauf, innen und außen eine Raumwirkung zu erreichen, in der Bedeutung und Geschichte der mittelalterlichen Martinikirche sich spiegeln.

Manfred Seifarth
(Textauszüge entnommen aus der aktuellen Broschüre zur Geschichte der Martinikirche)