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Konzeption für die ehrenamtliche Arbeit in der Ev. Martinigemeinde Siegen

 

Grundlagen

Ehrenamtliches Engagement ist ein nicht zu ersetzender Bestandteil unserer Gemeinde. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, stellen ihre vielfältigen Gaben zur Verfügung, um Aufgaben in der Gemeinde für andere wahrzunehmen. Ehrenamtliches Engagement ist ein zentraler Ausdruck unseres Glaubens. Es ist uns wichtig, das Ehrenamt in unserer Gemeinde zu stärken.

Das Priestertum aller Gläubigen gibt jeder Christin und jedem Christ das Recht, auf der Grundlage unserer Gemeindekonzeption und entsprechend der jeweiligen Begabung in unserer Gemeinde mitzuarbeiten und Gemeinde mitzugestalten. Das Ehrenamt soll für alle Menschen zugänglich sein, unabhängig von der sozialen oder finanziellen Situation des Einzelnen. Es ist uns wichtig, ehrenamtliche MitarbeiterInnen aus verschiedenen Altersgruppen zu gewinnen und das Miteinander verschiedener Generationen zu fördern.

In Zeiten schwindender finanzieller Mittel werden ehrenamtliche MitarbeiterInnen immer wichtiger, um ein breites Angebot an Gemeindeaktivitäten sicher zu stellen. Es ist uns wichtig, die Ehrenamtlichen auf ihre Aufgaben sorgfältig vorzubereiten, sie zu begleiten und ihre Arbeit zu würdigen. Ehrenamtlichkeit kann und soll Hauptamtlichkeit nicht ersetzen. Wir wünschen uns, dass Haupt- und Ehrenamtliche entsprechend ihrer Fähigkeiten auf Augenhöhe miteinander arbeiten, sich ergänzen und unterstützen. Voraussetzung dafür ist ein offener und vertrauensvoller Umgang mit Informationen sowie die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.

Im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen hat sich ein neuer Typus von Ehrenamtlichkeit entwickelt. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Menschen sich jahrelang verlässlich für die Gemeinde engagieren und stets bereit sind einzuspringen, wenn Hilfe benötigt wird. Viele Menschen nehmen ehrenamtliches Engagement heute auch als Chance zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit wahr. Wir wollen uns auf diese „neuen“ Ehrenamtlichen einlassen. Dies bedeutet, dass wir die Wünsche, Kompetenzen und Zeitvorstellungen des Einzelnen mit dem Bedarf und Möglichkeiten der Gemeinde in Einklang bringen und Möglichkeiten zur Fortbildung schaffen.

 

Ziele

Ehrenamtsteam und Presbyteriumsbeauftragte/r

Wir als Martini-Gemeinde nehmen die Veränderungen im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit wahr und ernst. Deshalb soll auch unsere Arbeit mit und für Ehrenamtliche professionalisiert werden. Das bedeutet, dass wir ein ständiges Team einrichten, das für den Bereich der Ehrenamtlichkeit zuständig ist. Die Aufgaben dieses Teams reichen von der Erfassung des Bedarfes über die Erstellung von Stellenbeschreibungen bis zur Betreuung und Begleitung der aktuell Mitarbeitenden (z.B. durch regelmäßige Mitarbeitendengespräche). Grundsätzlich wird das Ehrenamtsteam für die Umsetzung dieser Konzeption in die Praxis und ggf. deren Weiterentwicklung verantwortlich sein. Die Verbindung zwischen dem Ehrenamtsteam und dem Presbyterium stellt die/der Ehrenamtsbeauftragte des Presbyteriums her, die/der vom Presbyterium zu ernennen ist. Sie/er ist Mitglied des Ehrenamtsteams und hat dafür Sorge zu tragen, dass die Anliegen des Teams bzw. der ehrenamtlich Mitarbeitenden im Presbyterium vertreten werden, wie auch dafür, dass der Informationsfluss aus dem Presbyterium zum Ehrenamtsteam reibungslos vonstatten geht.

Von der Nachfrage- zur Angebotsstruktur

Mit dem Paradigmenwechsel vom Alten zum Neuen Ehrenamt ist es sinnvoll, auch die Sichtweise des Ehrenamtes in unserer eigenen Gemeinde zu überprüfen. Wichtig ist dabei, nicht nur darauf zu schauen, was die Gemeinde an Bedarfen hat und wie diese über Ehrenamtlichkeit zu decken sein könnten, sondern vor allem auch darauf zu schauen, was Ehrenamtliche an Potenzial bieten und welche Interessen sie haben, dieses Potenzial auch in die Gemeinde einzubringen. Das Ehrenamtsteam ist an dieser Stelle gefragt, ggf. Räume zur Umsetzung der Ideen Ehrenamtlicher zu schaffen. 

Stellenbeschreibungen

Da Menschen sich ins Neue Ehrenamt mit ihren eigenen Interessen und Begabungen einbringen sowie den eigenen Horizont erweitern möchten, ist es wichtig, die richtigen Personen an den passenden Stellen einzusetzen. Zudem wollen Menschen heute verlässlich wissen, wofür sie sich engagieren, mit welchen Zeitaufwand sie dies tun und welche Aufgaben und Befugnisse sie haben werden. Deshalb erstellt das Ehrenamtsteam Stellenbeschreibungen für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Gemeinde. Diese sollen u.a. das Arbeitsgebiet, die damit verbundenen Aufgaben, den erforderlichen Zeitaufwand, die Rechte und Pflichten sowie die Dauer des Engagements beinhalten. 

Gewinnung und Auswahl der Mitarbeitenden

Unsere Gemeinde freut sich über alle Menschen, die bereit sind, sich mit ihren Ideen, ihren Fähigkeiten, ihrer Zeit etc. einzubringen. Ansprechpartner für an Mitarbeit Interessierte ist das Ehrenamtsteam. Diesem fällt auch die Aufgabe zu, Menschen entsprechend ihrer Gaben einzusetzen. Es steht dem Team jederzeit frei, sich Rat oder Zustimmung des Presbyterium einzuholen.

Für die Akquise neuer Mitarbeitender sind grundsätzlich alle ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden der Gemeinde verantwortlich. Das Ehrenamtsteam sammelt Ideen, wie Menschen angesprochen und für die Arbeit gewonnen werden können. 

Mentoringprogramm

Ehrenamtliche sind der Schatz der Gemeinde. Daher ist es wichtig, sie zu pflegen und zu begleiten. Im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Gruppen hat Gemeinde die Chance, auch geistliche Begleitung anzubieten und sollte diese auch nutzen.

Daneben wollen wir Ehrenamtliche unterstützen, Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und neue Aufgaben anzunehmen. Dies geschieht durch den Aufbau eines Mentoringprogramms. EinsteigerInnen ins Ehrenamt bzw. Menschen, die neue Aufgaben übernehmen möchten, sollen durch MentorInnen begleitet und angeleitet werden. Die MentorInnen bieten Unterstützung, wo diese benötigt wird, stehen hilfreich mit Ideen und Methoden zur Seite und greifen Ängste und Befürchtungen auf. Sie stehen auch nach der Einarbeitungsphase für Fragen und Anregungen als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung. 

Anerkennung und Wertschätzung

Der Stellenwert des Ehrenamts ist gar nicht hoch genug anzusiedeln. Dies muss sich jedoch auch in unserem Umgang mit Ehrenamtlichen ausdrücken. Anerkennung und Wertschätzung sind daher auch nach außen zu transportieren. An dieser Stelle ist die Kreativität aller Beteiligten gefragt, um Formen der Anerkennung deutlicher zu etablieren. 

Einführung und Verabschiedung

Auch und gerade weil das Neue Ehrenamt häufig zeitlich stärker begrenzt ist, ist die Einführung in die Aufgabe besonders wichtig. Je nach Aufgabe kann dies in einem Gottesdienst oder über Bekanntmachung im Gemeindebrief etc. geschehen. Ebenso wichtig ist es auch, Menschen beim Ausscheiden aus dem Ehrenamt zu verabschieden. Auch dies kann im Rahmen eines Gottesdienstes, im Gemeindebrief etc. stattfinden. Neben der Klarheit der Strukturen verdeutlichen Einführung und Verabschiedung auch die Anerkennung der Tätigkeit in der Gemeinde.

Auf Wunsch stellen wir Ehrenamtlichen gerne eine Bescheinigung über ihre Tätigkeit in unserer Gemeinde aus. 

Ehrenamt für alle

Grundsätzlich steht die ehrenamtliche Tätigkeit in unserer Gemeinde allen Interessierten offen. Das heißt, dass beispielsweise niemand aufgrund ihrer/seiner finanziellen Möglichkeiten vom Ehrenamt ausgeschlossen sein darf. Wir als Gemeinde bieten daher selbstverständlich allen unseren Ehrenamtlichen Aufwandsentschädigungen an, die in unseren Haushalt eingestellt sind. 

Treffen aller Mitarbeitenden

Um ehrenamtlichen Mitarbeitenden den Austausch untereinander wie auch mit Hauptamtlichen zu ermöglichen und ein Forum für Anliegen und Ideen zu schaffen, bietet die Gemeinde regelmäßige Treffen aller Mitarbeitenden an. Diese fördern auch das Entstehen neuer bzw. die Pflege bereits bestehender Kontakte, ein wichtiger Motivationsaspekt im Neuen Ehrenamt. 

Aktueller Bestand

Das Ehrenamtsteam soll den aktuellen Bestand der Mitarbeitenden erfassen und die Daten pflegen. Dabei ist zum einen wichtig, welche Tätigkeiten in der Gemeinde ausgeführt werden, zum anderen, wie lange die Personen bereits im jeweiligen Bereich tätig sind. 

Fort- und Weiterbildung

Uns ist es wichtig, dass die Menschen, die sich in unserer Gemeinde engagieren, ihre Begabungen einbringen, aber auch weiter entwickeln können. Sie sollen selbstbewusst mit entscheiden und mit gestalten können. Daher stellen wir ehrenamtlich Mitarbeitenden unserer Gemeinde Angebote zur Fort- und Weiterbildung zur Verfügung. Dies können beispielsweise Hinweise auf Veranstaltungen anderer Anbieter sein, aber auch eigene Angebote. 

 

Siegen, im November 2009